SOCHI: LAND EINES VÖLKERMORDES
Sehr geehrte Mitglieder des Olympischen Komitees,
Sie hatten kürzlich die Gelegenheit die Vorbereitungen der Stadt Sochi, Kandidat als Veranstalter der olympischen Winterspiele 2014, zu begutachten. Während Ihres Besuchs waren Sie sicher im Stande, ohne jeden Einschränkungen zu reisen, um die natürliche Schönheit dieses Gebiets zu bewundern. Dies ist ein großes Glück für Sie, weil es für eine große Zahl von Einwohnern des Kaukasus, wo Sochi gelegen ist, nicht die Regel ist. Diejenigen, die zu einem nahe gelegenen Bezirk reisen wollen, in dem sie nicht gemeldet sind, brauchen eine besondere Erlaubnis, deren Erlangen bis zu 7 Tagen beanspruchen kann!
Als die UDSSR 1991 zusammenbrach, konnten alle jene Völker, die aus ihr hervorgingen, eine gewisse Reisefreiheit beanspruchen, ausgenommen die Kaukasier. Ihre Situation als Geiseln des Kremls wurde Jahr für Jahr schlechter. Auch die Möglichkeit der Austragung der olympischen Spiele in Sochi kann ihnen keine Hoffnung für eine kleine Atempause geben. Solch ein Ereignis hätte tatsächlich die Hoffnung des nahenden Friedens in der Region sein können. Es wäre für die Einwohner eine Hoffnung für ein offenes Fenster in die Welt gewesen. Unglücklicherweise ist die Möglichkeit, Sochi zum Austragungsort Olympischer Spiele zu ernennen, bereits zum Albtraum geworden, weil es als Vorwand für Sicherheitsmaßnahmen dient, die immer unerträglichere Repressalien über den ganzen Kaukasus mit sich ziehen.
Nein, wir sprechen nicht über das weit entfernte (!) Tschetschenien , wir sprechen über nahe gelegene touristische Orte wie Dombai oder Arkhiz, direkt hinter Sochi. Wissen Sie, dass jene schönen Hochländer für die lokale Bevölkerung der Tscherkessen und Karachay verboten sind? Nur Touristen mit einer besonderen Erlaubnis vom FSB haben dort Zugang, um die Schönheiten der blauen Bergseen und der grünen Kiefernwälder zu bewundern und die reine Bergluft zu atmen. Kaukasier selbst werden von ihren traditionellen Hochländern ferngehalten. Wie die Blockade im 19. Jahrhundert, die sie von der übrigen Welt isolierte, werden sie jetzt erneut von der übrigen Welt getrennt.
Die fragile Wirtschaft der Bergvölker zerbrach an jenen repressiven Maßnahmen. Ihre Vorfahren waren bereits durch die russischen Eroberer im 19. Jahrhundert gezwungen worden, von ihren Hochebenen und -ländern herunterzukommen, wo sie seit Menschengedenken gelebt hatten. Viele von ihnen wurden niedergemetzelt und die Überlebenden wurden gezwungen, den Kaukasus, ihr Heimat, zu verlassen, um in der Türkei, am Ende einer tragischen Vertreibung, anzukommen, die 1864 begonnen hatte. Sochi und ihre Umgebung ist das Heimatland des Volkes der Ubikhen, das nicht länger Existiert. Sie wurden völlig ausgelöscht nach ihrer letzten Schlacht des Widerstands in Krasnaya Polyana im Mai 1864.
Heute werden die wenigen Urkaukasier, die in ihrem Heimatland blieben, einmal mehr gezwungen, ihre Berge zu verlassen. Sind es jene Berge, die ihrer heimischen Bevölkerung entledigt wurden, auf denen die olympischen Athleten Ski fahren werden? Sollen die Bobbahnen gebaut werden auf den Knochen der Völker, die durch blutige Kriege zur Eroberung des Kaukasus vernichtet wurden? Nein, wir wollen nicht glauben, dass dies möglich sein kann. Die Olympische Flamme darf nicht auf einem Riesengrab von Völkern leuchten. Der olympische Geist kann nicht im Einklang stehen mit dem Geist eines Völkermordes. Wir sind überzeugt davon, dass kein olympischer Sportsmann glücklich wäre, durch die Perspektive von olympischen Spielen das Leben der einheimischen Bevölkerung zur Hölle gestaltet zu sehen. Der Schraubstock, der das Volk heute erdrückt, wird sich mit einem näherkommen der olympischen Spiele nicht lockern, das Gegenteil wird passieren.
Unter diesen Umständen sollte die russische Regierung sich entscheiden: Entweder sind die umliegenden Länder von Sochi eine gefährliche Region, wo es notwendig ist, „Reinigungsoperationen“ gegen "wahabitische Terroristen" durchzuführen, um blutige Ereignisse wie diejenigen von Beslan oder Nalchik zu verhindern, und in diesem Falle wäre es völliger Wahnsinn, olympische Sportler und Tausende von Zuschauern in ein solch gefährlichen Gebiet einzuladen, wo sie ein direktes Ziel abgeben würden. Oder aber, der Kaukasus ein ruhiger und friedlicher Ort ohne jede ethnische Spannung, ohne jeden Konflikt, jede Gewalt oder Konfrontation. In diesem Fall sollte die russische Regierung den Grund für die ganzen Repressalien, den Grund für "Reinigungsoperationen“, den Grund all der Beschränkung der Reisefreiheit, den Grund für alle jene Checkpoints auf Straßen erklären können, die immer unerträglicher für die einheimische Bevölkerung werden. Wir hoffen, dass die ehrenwerten Mitglieder des Olympischen Komitees, die russischen Behörden nach einer Erklärung für diese Unklarheiten fragen und alles im Lichte des vorhandenen Dilemmas untersuchen werden.
Wir wollen auf keinen Fall Sport und Politik vermischen, und wir sind auf keinen Fall gegen olympischen Spiele in einer anderen Region der Russischen Föderation. Aber wir sind gegen die Spiele in einem Kaukasus, das geschlagen ist durch Blut und Feuer seit vielen Jahrhunderten, so wie auch heute!
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